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Angst


Wenn wir in Angst verstrickt sind, hält uns dies davon ab, eine Situation klar zu sehen, wie sie ist. Von Natur aus bedeutet Angst, etwas oder jemanden von uns wegzustossen. Daher ist Angst die allertrennendste Erfahrung, die wir erleben können. Je mehr wir uns fürchten, um so einsamer sind wir. Es ist wichtig, dass wir erkennen, um was es bei unseren Ängsten geht, damit wir unsere Reaktion begreifen und die Wahl haben, mit ihr anders umzugehen.

Angst kann als Antwort auf eine potenzielle Bedrohung angesehen werden. Wenn wir etwas als bedrohlich ansehen, also einschätzen, dass es beinhaltet die Möglichkeit uns auf körperlicher, seelischer oder emotionaler Ebene Leid, Schaden oder Verletzungen zufügen könnte, möchten wir dies natürlich nicht in unserer Nähe. Also wird unser Überlebenssystem getriggert und wir gehen in den Kampf oder Flucht- Modus. Wir wollen es also wegstossen oder davonrennen. Und das geht einher mit allem was dies dem Körper ermöglicht: Zucker muss mittels Sauerstoff in den einzelnen Muskelzellen in Energie verwandelt werden. Also steigen Blutdruck und Herzfrequenz, wir atmen schneller, uns bricht der Schweiß aus, um den Körper zu kühlen, der Cholesterinspiegel steigt, um Verletzungen schnell zu heilen, das Immunsystem läuft auf Hochtouren. Zusammen mit der Spannung in verschiedenen Körperbereichen macht dies unser Körpermuster aus.

Selbst wenn wir in der liebevollsten und sichersten Familie und Umgebung aufgewachsen sind, erleben wir bei Eltern, Freunden und Verwandten deren Ängste und die Überzeugung, dass sie mit manchen Dingen nicht umgehen können. Wir übernehmen diese Gefühle wie Machtlosigkeit, Unzulänglichkeit und Minderwertigkeit, ohne sie zu hinterfragen und so auch die unausweichliche Furcht, die damit einhergeht. Unglücklicherweise vertuschen wir unsere Ängste hauptsächlich durch Vermeidung und Kontrolle. Dabei spielt es keinerlei Rolle, ob diese erlebte Bedrohung tatsächlich eine Gefahr darstellt oder nicht. Wichtig ist, dass wir es als gefährlich empfinden. Wenn wir uns in einer bestimmten Situation oder mit einer bestimmten Person nicht sicher fühlen, werden wir die Situation oder Person natürlicherweise von uns schieben. Nichtsdestotrotz erleben wir all die körperlichen Auswirkungen, wenn unser Überlebenssystem Alarm schlägt. Und dazu kommt all die Spannung, die wir aufbringen, diese Auswirkung nicht zu spüren. Wie häufig sabotieren wir etwas an sich Gutes in unserem Leben, da wir meinen, es verberge sich etwas Schädliches darin, das wir übersehen haben könnten. Bisher haben wir übertriebene Befürchtungen und Sorge verwendet, das Schlimmste erwartet, um vorbereitet zu sein für den erwarteten Supergau. So versuchen wir, alles zu überblicken, als Schutz vor der vermeintlichen Bedrohung und dem Schaden, Schmerz und Leid, das ganz sicher hinter der nächsten Ecke lauert. Wir meinen, durch Kontrolle unsere Angst und alle Situationen, die sie auslösen könnte, zu vermeiden. Jedoch anstelle der Angst weiterhin aus dem Weg zu gehen, müssen wir uns ihr stellen. Andernfalls verschleiert und verhindert genau diese Furcht weiterhin die Fähigkeit eine Situation klar zu sehen und zu durchschauen. Diese Unklarheit, der Schleier oder Nebel ist die Trennung, die durch die Angst wiederum aufrecht erhalten wird. Zunächst einmal müssen wir Schritt für Schritt die Erfahrung machen, dass unsere körperlichen Reaktionen ausgelöst werden durch die Einschätzung einer gefährlichen Situation und dazu da ist, uns das Leben zu retten. Nicht um zu unserem Tod zu führen. Uns erlauben, mit einem neutralen beobachtenden Blick die Vorgänge im Körper zu erforschen ist ein erster Schritt. Erleben, dass wir Einfluss nehmen können auf die Vorgänge in unserem Körper und diesem nicht hilflos ausgeliefert sind, ist ein erster Schritt. Klarheit, Hinschauen, sich der Situation stellen, gibt die Sicherheit und den Boden unter unseren Füssen, der wie weggefegt wirkte. Wie anders ist unser Leben, wenn sich durch die fortwährende Übung, möglicherweise auch in Begleitung einer vertrauten Person, dadurch wirklich die Angst auflösen lässt wie Eis in heißem Wasser oder Nebel in der Morgensonne?

Wenn wir unser Leben damit verbringen Angst zu vermeiden, leben wir niemals wirklich. Wir bewegen uns in einer starren Routine, im Bereich unserer Komfortzone, und gelangen ganz sicher bei unserem Tod an. Wenn wir unsere Ängste und Befürchtungen wiederum einfach ignorieren, dann übergehen wir die wichtigen Botschaften, die in den Ängsten enthalten sind. Wir ignorieren Grenzen und Warnzeichen und sorgen nicht angemessen für uns. Das jedoch führt letztendlich zu Schmerz, Leiden und Zusammenbruch. Unser Leben hängt also buchstäblich davon ab, wie wir mit uns und unseren Ängsten umgehen. Wie wir uns liebevoll selbst und all unserer Ängste annehmen. Der Versuch sie einfach loszuwerden oder zu besiegen ist nichts weiter als der Versuch, sich von Trennung an sich zu trennen. Was also tun? Bewertungsfreie, beobachtende Annahme dessen, was gerade ist und Selbstfürsorge? Alles was wir liebevoll annehmen können vermindert die Angst. Die ultimative Antwort auf Angst ist, ihr ohne Barrieren und Schutzmauern zu begegnen. Das Selbst in uns anzunehmen und wertzuschätzen, das sich fürchtet, und das Selbst, vor dem wir uns am meisten fürchten, anzunehmen und wertzuschätzen. In dem wir die Angst annehmen, lösen wir sie auf! Gerne begleite ich dich Schritt für Schritt auf diesem Weg!



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